Früh übt sich …

6. Mai 2019

Früh übt sich …

6. Mai 2019

… wer ein Meister werden will. Und richtig gut in ihrem Fach wollen sie auf jeden Fall werden, die angehenden Köche und Köchinnen, Restaurant- und Hotelfachleute, die am vergangenen Freitag bei der 27. Thüringer Jugendmeisterschaft der gastgewerblichen Berufe im Kompetenzzentrum des DEHOGA Thüringen in Erfurt ihr Können unter Beweis stellten.

Unter den aufmerksamen Augen der JurorInnen, versierten Gastronomie- und Hotellerie-ExpertInnen, absolvierten die Auszubildenden im 2. und 3. Lehrjahr zunächst eine berufsbezogene Theorieprüfung, danach ging es ums praktische und kommunikative Geschick: Hotelfachfrauen und-männer hatten Gespräche mit Gästen zu führen, ein Hemd zu bügeln, einen Knopf anzunähen, ein Blumengesteck für die Festtafel zu arrangieren. Restaurantfachfrauen und -männer deckten die Festtafeln mit auf Hochglanz polierten Gläsern, Bestecken und aus weißen Stoffservietten gefalteten Kunstwerken* ein und begleiteten das Essen mit perfektem Service.

* Apropos Servietten: Von einer Fachfrau erfuhren wir, dass Anleitungen für selbstgefaltete Serviettenkreationen in großer Zahl im Internet zu finden sind.

Aufgabe der angehenden Köchinnen und Köche war es, innerhalb von fünf Stunden ein Vier-Gänge-Menü für acht Personen zuzubereiten, wobei es konkrete Vorgaben zu den einzelnen Menübestandteilen gab: In der Vorspeise sollte Avocado Verwendung finden, als Vorsuppe war ein Cappuccino von Rind und Spargel mit Chesterstange zu servieren, im Hauptgang mussten Lachsforelle und Spargelstangen mit Sauce Maltaise gereicht werden **. Das Dessert durfte mit Erdbeervariationen spielen. Über diese Vorgaben hinaus war der künstlerischen Freiheit der KöchInnen weiter Raum gelassen.

** Übrigens: Spargel ist kein Wurzel-, sonder ein Stängel- und Sprossengemüse; die Sauce Maltaise ist eine Ableitung der Sauce Hollandaise und wird zusätzlich mit Zesten und dem Saft einer Blutorange zubereitet.

Er sei überrascht und beeindruckt, so Dirk Ellinger, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Thüringen, “mit welcher Ruhe, wie entspannt und gelassen Küche und Service an diesem Abend gearbeitet” hätten. Von Anspannung und Aufregung, wie sie in einer solchen Wettbewerbssituation durchaus verständlich gewesen wären, war für uns als Gäste tatsächlich nichts zu spüren.

Unser Koch an diesem Abend: Richard Paetz, 24 Jahre alt, angehender Koch im 2. Lehrjahr, Azubi im Restaurant “Alte Remise” in Weimar. Ihn fragten wir, was er den Schülerköchinnen und -köchen im Finale um den 22. Schülerkochpokal als Mittel gegen die Aufregung empfehlen würde: “Tief durchatmen. Den Kochprozess strukturieren, Schritt für Schritt planen, mit vollster Konzentration arbeiten. Die Ruhe bewahren.”

Und wenn doch etwas nicht gelingt? “Dann weglassen. Oder versuchen, noch etwas anderes als geplant daraus zu machen, improvisieren, eine zu dicke Hollandaise kann man beispielsweise eventuell für eine Lasagne verwenden.”

Auf die Frage nach seinen Beweggründen für die Berufswahl Koch erzählt Richard Paetz: “Ich habe schon sehr früh gemerkt, dass ich gerne in der Küche stehe und koche. Sicher bin ich dadurch, dass mein Vater Fleischermeister ist, auch familiär geprägt. Zunächst habe ich aber Abitur gemacht, ein Studium der Mathematik angefangen. Meine Eltern wollten das gern. Aber für mich war das nichts. Nach drei Semestern habe ich abgebrochen und jetzt werde ich Koch. Das ist der richtige Beruf für mich.”

Nachdem er bei der Schulmeisterschaft in seiner Berufsschule mitgemacht hatte, entschied er sich zur Teilnahme an der 27. Thüringer Jugendmeisterschaft. “Als Prüfungsvorbereitung ist ein solcher Wettbewerb die ideale Gelegenheit.”

Richard Paetz schätzt die Vielseitigkeit und Kreativität des Koch-Berufes und will nach seiner Ausbildung in verschiedenen Restaurants Erfahrungen sammeln. Besonders zieht es ihn nach Berlin.

Dass die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten in gastgewerblichen Berufen vielfältig sind, bestätigten uns auch die Hotelfachfrauen unseres Service-Teams: Pauline Brunkhorst, Auszubildende im Radisson Blue Hotel Erfurt, und Kristina Schubert, Auszubildende im Hotel “Zum Kloster” in Rohr, die uns mit Charme und Fröhlichkeit umsorgten.

Aktuell werden in Thüringen 1.082 junge Frauen und Männer in der Gastronomie und Hotellerie ausgebildet. Vor 15 Jahren waren es noch fünfmal so viele, so DEHOGA-Chef Dirk Ellinger, der seine anerkennenden Worte bei der Siegerehrung mit dem Wunsch an die TeilnehmerInnen verband, als “Botschafter für einen tollen Beruf” aufzutreten und für ihren Beruf zu werben.

Uns haben sowohl unser Koch, unser Service-Team als auch das elegant einladende Ambiente dieses Abends im Restaurant des DEHOGA voll und ganz überzeugt.

HERZLICHEN DANK!
Sabine Fischer-Heese und Gitta Teubner

Richard Paetz, 24 Jahre alt, angehender Koch im 2. Lehrjahr, Azubi im Restaurant “Alte Remise” in Weimar